«Abdriften», 2018

Rechercheprojekt für künstlerisch-performative Sichtbarkeiten und alternative Zeitstrukturen im Modus der ungerichteten Reise

Bin ich hier gerade richtig? Wie und auf Grund von welchen Parametern gelange ich eigentlich zum nächsten Ort? Was ist überhaupt hinter dieser nächsten Häuserecke? Wohin führt wohl dieses mich anlachende gelbe Schild da vorne an der Kreuzung? Was ist wohl hinter diesem Berg?

Ohne Ansporn heißt es erst einmal bleiben. Wo auch immer. Oft ein Parkplatz im Nirgendwo. Und dann?

Wie wird man eigentlich in einen Ort eingebunden? Innerhalb von wenigen Minuten kommen die ersten Insekten und checken dich ab. Eine mini Fliege schwirrt um dich herum. Gibt sie Informationen weiter? Hier und da liegt noch ein Essensrest auf der Rückbank.

Zeitgenosse und Mitfahrer Janosch, der sein Spinnennetz an der Ecke rechts oben an der Innenseite der Windschutzscheibe aufgebaut hat, kontrolliert immer wieder, ob ich auch nicht zu schnell fahre. Er freut sich scheinbar über die unterschiedlichen Fliegen aus den unterschiedlichen Regionen – mal eine Mücke aus der mediterranen Provence, mal ein rheinländisch-Düsseldorfer Mosquito, mal eine typische Raststättenfliege. Den einen heißen Tag im Auto hat er leider nicht überlebt. Hoffentlich hat er ein Spalt gefunden und ist einfach ausgezogen. Genug mit dem blauen Bus herumgereist. Wo er jetzt wohl wohnt?

Mal einen Tag lang rechts-links-rechts-links usw. mal an jeder Kreuzung würfeln ob recht links, gerade aus oder zurück, aber solche minimalistischen 60er-Jahre-Konstruktionen sind zum Glück einfach nicht mehr Zeitgemäß. Wer hat denn was davon? Nur Frust. Plötzlich hängt man in einer Scheife fest und kommt nicht mehr raus. Hin und her und hin und her – der einzige Trost die immer neuen Passanten, die den Ort immer wieder verändern. Aber was soll das? Lieber den schon im Voraus zum Scheiternden verurteilten Versuch abbrechen und nach komplexeren Bewegungsweisen Ausschau halten?

Da hinten plötzlich ein rot schimmernder Hang – ein Mohnfeld. Ein roter Fleck in der Landschaft – das wäre etwas für Katharina Grosse, oder nicht? Nichts wie hin und ersteinmal anhalten?

Hier und da die Gespräche mit rastenden Truckerfahrern, schlendernden Obdachlosen, wartenden Geflüchteten, umtriebigen Rentnern auf der Parkbank, am Kai mit Blick auf das brandende Meer, auf dem verdreckten Rast- oder verlassenen Marktplatz: Wie eine Parallelwelt mit einer anderen Zeitstruktur und einer eklatant andern Geschwindigkeit. Die meisten hasten vorbei und sind nur wie Schatten zu erkennen. Andere wiederum sind im selben Universum – man sieht sich scharf und klar durch das rasende Gewühl und tauscht offene Blicke aus.

J’avance

  • Intro : (Refrain Motiv 2x ohne Gesang)
  • Refrain (mit einstimmigem Gesang)

Et j’avance et j’avance et j’avance
et j’avance et j’avance et j’avance encore
et j’avance et j’avance et j’avance
je poursuis je reprends et je continue

  • Strophe 1

Jusqu’à ce que je ne veuille plus être
en voyage, et la peut-être
je trouverais un endroit
ou je pourrai m’arrêter

  • Refrain (mit zweistimmigem Gesang)
  • Refrain-Motiv 2x ohne Gesang
  • Strophe 2

Et quelque part je suis assis
et je parle avec les sans abris
et avec les clochards
et avec touts ceux, ceux qui ont du temps.

  • Refrain (mit zweistimmigem Gesang)
  • Refrain-Motiv 2x ohne Gesang
  • Strophe 3

Mais si le vent, si il recommence
je m’en vais. Qu’est-ce que tu en pense ?
C’est le mouvement 
Qui me fais bouger

  • Doppelter Refrain (mit zwei- oder dreistimmigem Gesang)
  • Outro : (Refrain Motiv2x ohne Gesang)

Hier und da wird man kontaktiert und angefragt. Einfacher geht es wohl kaum einen Weg zu machen. Einfach direkt hin. Zeit, Ort, Relevanz und Einbindung sind dann gegeben bis sich auch dieses Gefüge irgendwann wieder auflöst und sich die Frage wieder von alleine stellt. Wohin?

Das von der Kunststiftung NRW geförderte Projekt der nomadisch-performativen Reise geht von der permanenten Raum-zeitlichen Befragung und dem Modus des Schlenderns aus und begann damit, dass Tomas Kleiner im Februar 2018 seine Düsseldorfer Wohnung aufgab, mit all seinem Hab und Gut in einen Kleinbus zog, und sich von da an unentwegt im Modus des potenziellen Aufbruchs befand, ohne dabei aber abtauchen oder verschwinden zu wollen. Im Gegenteil.
Dauer, Ausgang und künstlerisches Ergebnis waren- und sind immer noch offen.

So führte Tomas Kleiner seine subtil-performative Praxis der vorangehenden Arbeiten fort, sich in Alltagsgespräche verwickeln zu lassen, Telefonate zu führen, Mails und Postkarten zu schreiben und hin und wieder Online-Posts auf Facebook und Instagramm zu hinterlassen, die so zumindest fragmentarisch auf seine künstlerische Auseinandersetzung hinweisen, sich aber einer einheitlich-repräsentativen Sichtbarkeit für eine undefinierte Öffentlichkeit verwehren.

Eine weitere Aufarbeitung des dabei entstandenen Materials ist noch in Arbeit.

Melden Sie sich einfach, um mehr davon zu erfahren – jede Kontaktaufnahme ist erwünscht!

Adresse: // keine eigene Adresse //
Adresse seiner Eltern für Angelegenheiten, die zeitlich nicht eilen:

Am Farnbuck 9, 79410 Badenweiler
Tel: +49 176 31413160
Mail: tomaskleiner@gmx.de
Facebook: Tomas Kleiner
Instagramm: tomas_kleiner

Das Projekt wurde freundlich unterstützt von der Kunststiftung NRW – herzlichen Dank dafür!

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