«Zielloses Reisen/abdriften», 2018

Rechercheprojekt für künstlerisch-performative Sichtbarkeiten im Modus der Reise

„Bin ich hier gerade richtig?“ Das von der Kunststiftung NRW geförderte Projekt der nomadisch-performativen Reise geht von der permanenten Raum-zeitlichen Befragung und dem Modus des Schlenderns aus und begann damit, dass Tomas Kleiner im Februar 2018 seine Düsseldorfer Wohnung aufgab, mit all seinem Hab und Gut in einen Kleinbus zog, und sich von da an unentwegt im Modus des potenziellen Aufbruchs befand, ohne dabei aber abtauchen oder verschwinden zu wollen! Im Gegenteil.
Dauer, Ausgang und künstlerisches Ergebnis waren- und sind immer noch offen.

„Gerade bin ich durch den lauter werdenden Lärm um mich herum aufgewacht. Als ich vorsichtig hinter dem spartanisch befestigten, auch als Vorhang verwendeten Handtuch heraus schaue, bemerke ich, dass ich wohl am Abend unwissend auf dem Marktplatz geparkt habe, auf dem um mich herum nun in aller Eile die Stände aufgebaut werden. Es hieß, dieser Stadtteil hier im Norden von Marseille, direkt am Hafen, sei ruhig und sicher ein guter Schlafplatz. Nicht hier. Ich setze mich verschlafen hinter das Steuer und fahre ein paar Meter. Einfach mal gerade aus und dann in die nächste kleine Gasse rein. Dort stelle ich den Motor ab, krieche nochmal nach hinten und penne erst einmal eine weitere Stunde. Nachdem das Hupkonzert bezüglich der Straßenblockade durch die Müllabfuhr mich auch hier wieder zum Aufstehen drängt, mache ich erst einmal die Seitentür auf, um frische Luft rein zulassen. Nachdem der Geruch der, noch von der nächtlichen Reinigung nassen Vorstadt-Straße herein zieht, mischt sich ein weiterer Duft von frischen Backwaren mit hinein. Ungeduscht und ohne die Zähne geputzt zu haben, nur mit einer Handvoll Wasser aus der Flasche, leicht vornüber gebeugt, die Augen ausgerieben, gehe ich zum Bäcker. Auf dem Weg nickt mir der Alte zu, den ich gestern Abend auch drüben schon herumgestreunern sah. Wie schön so ein Gruß.
Jetzt ein Café und ein Criossant. So sitze ich nun auf der Bank unter der Platane, mit Blick auf den nun rege treibenden Markt und habe noch keine Ahnung, wo es heute hingeht. Falls es mich nirgendwo hintreibt, bleibe ich vielleicht auch einfach noch?
Um mich herum rauscht alles vorbei. Die Arbeitende Gesellschaft sehe ich an mir vorrüber rennen, im Gegenzug sehen sie mich wohl auch maximal noch kurz im Rückspiegel auftauchen und sofort wieder verschwinden, falls ich überhaupt aufgetaucht sein sollte. Außer natürlich von den Kindern, den Obdach- und Arbeitslosen, den Geflüchteten und den Alten. Eine Zeitreise in eine andere Geschwindigkeit.“

So führte Tomas Kleiner seine subtil-performative Praxis der vorangehenden Arbeiten fort, sich in Alltagsgespräche verwickeln zu lassen, Telefonate zu führen, Mails und Postkarten zu schreiben und hin und wieder Online-Posts auf Facebook und Instagramm zu hinterlassen, die so zumindest fragmentarisch auf seine künstlerische Auseinandersetzung hinweisen, sich aber einer einheitlich-repräsentativen Sichtbarkeit für eine undefinierte Öffentlichkeit verwehren. Eine weitere Aufarbeitung des dabei entstandenen Materials ist noch in Arbeit.

Melden Sie sich einfach bei Ihm, um mehr davon zu erfahren – er freut sich über jede Kontaktaufnahme – oder machen Sie sich im Internet auf die Suche nach seinen Spuren.

Adresse: // keine eigene Adresse //
Adresse seiner Eltern für Angelegenheiten, die zeitlich nicht eilen: Am Farnbuck 9, 79410 Badenweiler
Tel: +49 176 31413160
Mail: tomaskleiner@gmx.de
Facebook: Tomas Kleiner
Instagramm: tomas_kleiner

Das Projekt wurde unterstützt von der Kunststiftung NRW – herzlichen Dank dafür!

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